Sprachstil und Ausdrucksweise in wissenschaftlichen Arbeiten

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Sprachstil und Ausdrucksweise in wissenschaftlichen Arbeiten 

Der Sprachstil in wissenschaftlichen Arbeiten unterscheidet sich deutlich von der Umgangssprache. Diese Eigenart ist z.B. im Englischen nicht so stark ausgeprägt wie bei uns, da dort vor allem der Inhalt zählt. Dem Sprachstil sowie der Fachsprache wird also eine geringere Bedeutung beigemessen, weshalb englische Fachbücher i.d.R. leichter zugänglich und schneller zu finden sind. Da hierzulande die meisten Arbeiten jedoch auf Deutsch verfasst werden, richtet sich dieser Artikel in erster Linie auf den wissenschaftlichen Sprachstil deutscher Abschlussarbeiten und liefert Hinweise, mit deren Hilfe die hohen Anforderungen der Prüfer erfüllt oder übertroffen werden.

Zunächst der unserer Meinung nach wichtigste Punkt: Objektivität. Eine wissenschaftliche Arbeit basiert, wie der Name bereits sagt, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dementsprechend muss über das erlangte Know-how neutral berichtet werden. Dazu gehört auch, dass jegliche Emotionalität, die in der gesprochenen Sprache vermittelt wird, vermieden wird. Dazu zählt unter anderem die Lebhaftigkeit, die im gesprochen Wort mitschwingt. Eine sachlich nüchterne Formulierung des Textes ist daher vorzuziehen.

Besonderheiten zur Objektivität 

Wenn über Erkenntnisse berichtet werden, die durch einen Forscher festgestellt worden sind, dann werden eher die Erkenntnisse fokussiert und nicht der Forscher. Das soll folgendes Beispiel verdeutlichen:

Falsch: Im Jahre 1875 stellte Alexander Kaiser fest, dass Gallium ein Element ist.

Richtig: Gallium ist ein Element (Kaiser 1875).

Die Metakommunikation zwischen dem Autor und Leser sollte möglichst vermieden werden, da diese zugunsten der repräsentativen Dimension zurücktritt. Das bedeutet, dass in einer wissenschaftlichen Abhandlung immer vom Gegenstand die Rede ist, nicht vom Autor oder dem Leser.

Falsch: Im nächsten Abschnitt findest du alle Informationen über Gallium.

Richtig: Im nächsten Abschnitt werden alle bekannten Informationen über Gallium beschrieben.

Konsistenz und Kohärenz

Eine weitere Anforderung, die auf wissenschaftliche Texte zutrifft, ist, dass diese konsistent sein müssen. Das bedeutet, dass der Text widerspruchsfrei verfasst werden muss. Wird beispielsweise eine Theorie aufgestellt, dann muss der zweite Schritt aus dem ersten Folgen und logisch nachvollziehbar sein. Oder andersherum formuliert: Wenn eine Schlussfolgerung nicht aus Prämissen folgt, dann ist diese inkonsistent. Deshalb sollte der Autor darauf achten, eine Argumentationskette aufzubauen, die nachvollziehbar ist.

Neben der Konsistenz ist die Kohärenz eines Textes eine zentrale Eigenschaft einer Abhandlung. Ein Text ist kohärent, wenn die einzelnen Abschnitte zusammenhängen bzw. miteinander in Verbindung stehen. Aus diesem Grund sollte man dem Leser immer vermitteln, warum ein bestimmter Abschnitt in die Arbeit eingebaut wurde. Dies sollte u.a. bei Grundlagenkapiteln besonders beachtet werden. Denn häufig fragt der Leser sich, warum bestimmte Thematiken in diesen Kapiteln abgehandelt werden und es wird erst im Laufe der Arbeit deutlich, dass dieses Grundlagenwissen für das Verständnis der darauffolgenden Kapitel nötig ist. Des Weiteren lohnt es sich immer, erst eine vorläufige Gliederung aufzustellen, bevor man mit dem Schreiben beginnt. Auf diese Weise erkennt man schnell, ob ein bestimmtes Kapitel sinnvoll ist und wie es sich in den Gesamtzusammenhang einfügt.

Satzbau

Du solltest es vermeiden, nach folgendem Prinzip vorzugehen: „Lange, verschlungene und mit vielen Fachwörtern gefüllte Sätze sind besser“. Denn dies ist definitiv verkehrt! Ein einfacher und präziser Satzbau, mit Fachwörtern an den richtigen Stellen wirkt wesentlich besser. Wer gerne lange Sätze formuliert, die nur schwierig zu verstehen sind, erweckt schnell den Eindruck, nicht auf den Punkt kommen zu können sowie nicht vorhandenes Fachwissen durch ausufernde Satzkonstruktionen verschleiern zu wollen. Wenn ein Fachwort verwendet wird, sollte dieses bei der ersten Verwendung kurz erklärt werden.

Absätze

Benutze Absätze! Diese gliedern einen Text in kleine kohärente Bestandteile, welche die Lesbarkeit, das Verständnis sowie die Übersicht eines Textes erhöhen. Dabei entwickelt jeder Absatz einen Gedanken, egal ob im Fließtext, als Aufzählung oder in Tabellenform. Die einzelnen Absätze sollten durch einen Übergang oder einen Verweis miteinander verbunden sein. In der Regel wird eine Seite von mehr als einem, aber durch weniger als sieben Absätze gegliedert.

Passivsätze

Passivsätze vermitteln den Anschein einer objektiven Aussage und werden deshalb häufig eingesetzt. Allerdings wirken diese oft langweilig und schwerfällig. Dabei lassen sich Passivsätze ohne großen Aufwand in Aktivsätze umformulieren, welche die Lesbarkeit der Arbeit verbessern. Neben Passivsätzen sollten außerdem „man“-Sätze vermieden werden. Diese vermitteln oft den Eindruck, eine sehr allgemeine Aussage zu geben, wobei die Aussage tatsächlich auf ein konkretes Subjekt zurückzuführen ist. Passivsätze sollten nur verwendet werden, wenn diejenigen im Vordergrund stehen, die etwas direkt betrifft.

Richtig: „100.000 Lehrern wurde das Gehalt gekürzt“

Falsch: „Tausenden Kunden kommt das neue Bezahlsystem zugute“ – wenn es um das neue Bezahlsystem geht. 

Verben statt Substantive verwenden

Die häufige Verwendung von Substantiven anstelle von Verben macht das Lesen eines Textes ebenfalls mühsamer. Daher solltest du vermeiden, viele Wörter mit abstraktem „-ung“, „-heit“ und „-keit“ zu nutzen.

Beispiel:

„lesen“ statt „Lesung durchführen“

„verwalten“ statt „Verwaltung vornehmen“

Eine Ausnahme bilden echte Substantive wie Haus, Baum oder Sonne. Ansonsten können Sätze durch Verben knapper und verständlicher ausgedrückt werden.

Beispiel:

„Der Wert des Unternehmens wuchs um 6%.“ klingt besser als „Das Wachstum des Unternehmenswertes betrug 6%.“

Positiv formulieren

Positive Formulierungen sind anschaulicher, leichter zu verstehen und deshalb ein besserer Stil. Vor allem doppelte Verneinungen sollten vermieden werden.

„Schreiben, was ist und nicht, was nicht ist!“

In diesem Artikel habe ich spezifische Anforderungen bzgl. des Sprachstils in wissenschaftlichen Arbeiten aufgeführt. Natürlich ist es nicht dramatisch, wenn man sich nicht kontinuierlich strikt an alle Anforderungen hält, aber diese sollten stets im Hinterkopf behalten werden, um ein besseres Gesamtergebnis zu erzielen.