Gestaltung einer Umfrage in Abschlussarbeiten

Umfrage

Für Abschlussarbeiten jeder Art ist es immer ratsam, sich nicht nur auf theoretisches Wissen zu beziehen, sondern auch  praxisnahe Anteile einfließen zu lassen. Dies hilft insbesondere bei komplexen Themengebieten, den Sachverhalt in einem realistischen Umfeld darzustellen und zu erläutern.

Eine effektive und beliebte Methode ist häufig die Erstellung und Durchführung einer empirischen Umfrage, da so die Meinung einer breiten Masse eingeholt und ausgewertet werden kann. Um jedoch eine wissenschaftlich korrekte Umfrage zu erstellen, müssen einige Kriterien berücksichtigt und erfüllt werden. Dieser Artikel dient als eine Art Leitfaden, eine solche Umfrage zu erstellen, durchzuführen und auszuwerten.

Die richtige Zielgruppe finden

Bereits vor Beginn der Umfrage muss über die gewünschte Zielgruppe nachgedacht werden:
Wen möchte ich befragen und wie groß ist meine Zielgruppe? Die Größe der Zielgruppe entscheidet letztendlich darüber, wie repräsentativ die Umfrage tatsächlich ist. Quantität alleine ist jedoch kein ausreichendes Merkmal zur Beurteilung der Repräsentativität. Diese muss immer in einem gesunden Verhältnis zur Thematik der Umfrage stehen.

Zur Veranschaulichung dient das folgende Beispiel:

500 ausgewertete Fragebögen werden zunächst als absolut ausreichend eingeschätzt, aber wenn die Zielgruppe der Umfrage alle Autofahrer in Deutschland umfasst, steht die Anzahl der befragten Personen und der tatsächlich betroffenen Autofahrer in keiner guten statistisch auswertbaren Relation.

Da also die geeignete Größe einer Zielgruppe sehr stark vom Thema abhängt, sollte die Anzahl der Umfragebögen nicht pauschal  festgelegt werden.
Eine weitere Empfehlung, die vorab überlegten Gedanken zu dokumentieren und ebenfalls in die Abschlussarbeit einfließen zu lassen. Dies hat den Vorteil, dass der betreuende Professor bzw. Prüfer eine Begründung für die Umfragegröße erhält und nicht etwa den Eindruck bekommt, der Verfasser habe willkürlich ein paar Personen befragt. Im Normalfall überlegt sich jeder Prüfer nämlich ebenfalls, wie groß die Zielgruppe im jeweiligen Fal sein sollte. Falls Du dir selbst unsicher sein solltest, wie viele Fragebögen du mindestens verteilen und auswerten solltest, ist es immer ratsam, mit dem Betreuer Rücksprache zu halten.

Häufig gemachte Fehler vermeiden

Selbstverständlich ist nicht alles in einem kleinen Artikel unterzubringen, dennoch können einige wichtige Aspekte hervorgehoben werden. Dies fängt schon an, bevor die erste Frage überhaupt verfasst wurde: Welchen Forschungszweck hat meine Umfrage oder anders gefragt: Warum möchte ich diese Umfrage erstellen? Ist meine Umfrage repräsentativ? Befrage ich die richtigen Personen? Sind meine Fragen korrekt gestellt und wie werte ich überhaupt den Umfragebogen vernünftig aus? Dies ist nur ein Bruchteil dessen, worüber man vorab zur Erstellung und Durchführung einer wissenschaftlichen Umfrage nachdenken sollte.

Sind die Vorbereitungen soweit abgeschlossen, dass der Umfragebogen erstellt werden kann, wird oft wird der Fehler gemacht, dass einige Fragen zusammenhanglos aneinandergereiht werden, die eventuell aber gar nicht dem eigentlichen Forschungszweck dienen. Daher ist es wichtig, sich immer die Absicht der Umfrage vor Augen zu halten, um so schließlich Fragen und Hypothesen zu erstellen.

Ist die Grundsatzfrage geklärt, so ist die Erstellung der einzelnen Fragen natürlich ebenso wichtig. Hierbei werden oft einfache Fehler gemacht, derer man sich überhaupt nicht bewusst ist, die aber einen erheblichen Einfluss auf die Auswertung haben können. Hier einige grundlegende Tipps, um übliche Fehler zu vermeiden:

  • Mit unkomplizierten Fragen anfangen, die sich direkt auf das Thema beziehen. Dies erleichtert den Einstieg und vermeidet Komplikationen im Themengebiet.
  • Fragen zum gleichen Thema bündeln und direkt hintereinander stellen.
  • Fachbegriffe oder komplizierte Fragestellungen vermeiden.
  • Keine Suggestivfragen stellen.
  • Im Idealfall sollte der Fragebogen maximal eine Seite lang sein.
  • Sensible oder persönliche Fragen, wenn überhaupt, am Ende des Fragebogens stellen.

Wenig Interpretationsspielraum lassen!

Wichtig ist außerdem, so wenig Interpretationsspielraum wie möglich zu lassen. Jeder Befragte soll im Idealfall das Gleiche bei den einzelnen Fragen interpretieren. Eine häufig gestellte Frage, die aber katastrophal für die Auswertung sein kann, ist zum Beispiel: „Wie bewerten Sie die Situation auf einer Skala von 1 bis 10?“ Jede Person schätzt eine solche Skala unterschiedlich ein. Für den einen ist “6” schon sehr gut, für den anderen erst eine “7” oder “8”. Außerdem werden die extremen Werte (hier “1” und “10”) selten ausgewählt, wodurch sich die Auswahl meist auf die Zahlen 2–9 beschränkt. Daher lieber auf Entscheidungsfragen (Ja/Nein-Fragen) konzentrieren!

Eine gute und von Professoren gern gesehene Methode ist zudem die Erstellung eines Testfragebogens, aus dem anschließend die Finalversion erstellt wird. Erstellt wird eine Art Prototyp des Fragebogens, der dann an einige Experten des Fachgebiets weitergeleitet wird. Diese werden gebeten, eventuell Verbesserungsvorschläge zu geben oder Probleme zu erläutern, die bei der Beantwortung der Fragen aufgekommen sind. Dies sollte man alles in der Abschlussarbeit dokumentieren und erklären, wie man aus diesen Erkenntnissen dann die Finalversion hergeleitet hat. So kann auch der Professor Schritt für Schritt sehen, wie die Gestaltung abgelaufen ist. Je transparenter und begründeter die Umfrage in der schriftlichen Arbeit beschrieben wird, desto besser wird der Gesamteindruck auf den Professor bzw. Prüfer sein.

Es gibt noch weitaus mehr Aspekte, die bei einer korrekten Erstellung von Umfragen in Abschlussarbeiten von Relevanz sein können. Wenn man aber erst einmal einige dieser grundlegenden Aspekte zu Herzen nimmt, kann man schon viele Fehler vermeiden, die absolut kontraproduktiv für eine gute Abschlussarbeit sein können. Im Zweifel sollte man immer zusätzlich die Meinung des Betreuers bzw. den Professors einholen. Grundsätzlich ist eine empirische Umfrage aber definitiv eine gute Methode, die theoretischen Aspekte einer Arbeit mit praxisnahen Meinungen zu untermauern.